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Modell Bergsteigerdorf -

Ideenwerkstatt für eine nachhaltige Gemeindeentwicklung der Ramsau

 

Aktueller Stand

Im Rahmen des Projekts "Modell Bergsteigerdorf - Ideenwerkstatt für eine nachhaltige Gemeindeentwicklung der Ramsau“ entstanden zwischenzeitlich aus den verschiedenen Arbeitskreisen heraus erste konkrete Ergebnisse und Maßnahmen: dazu gehören u.a. eine Marke für Ramsauer Produkte, ein Bündel an zur Aufwertung des Areals rund um die Wimbachbrücke, ein Konzeptvorschlag für einen „Ramsau-Bus“ zur verbesserten Einbindung bislang nicht bzw. nicht gut an den ÖPNV angeschlossenen Ortsteile, sowie Vorschläge für die Weiterentwicklung des Parkmanagements im Gemeindegebiet.

Die Resultate wurden dem Gemeinderat vorgestellt und diskutiert, erste Umsetzungsmaßnahmen sind in Angriff genommen. Damit ist die erste Phase des Projekts mit Blick auf die Themenfelder Regionale Wertschöpfung und Erhaltung des Landschaftsbildes abgeschlossen. Auch wenn angesichts der Vielzahl von laufenden Vorhaben der Gemeinde nicht alle Vorschläge sofort aufgegriffen werden konnten und zuweilen Prozesse ihre Zeit brauchten ist doch ein erster Schritt gemacht. Natürlich sind  in Eigenregie entstehende Initiativen der Bürger_innen für diese Themenfelder weiterhin willkommen und können der Gemeinde für das Modellprojekt vorgeschlagen werden. Ansprechpartner sind hier fortan Rudi Fendt als 2. Bürgermeister und Tourismusdirektor Fritz Rasp.

In der zweiten Projektphase sollen nun die weiteren Themenfelder des Modellprojekts angegangen werden. Dabei kommt künftig den «Ramsauer Gesprächen» eine wichtige Rolle zu. Für 2019 soll das Thema «Klimawandel lokal» im Zentrum stehen. Für den Herbst ist dazu eine vorbereitende öffentliche Veranstaltung geplant, zu der interessierte Bürgerinnen eingeladen sind, um relevante Fragen und Problemstellungen zu sammeln: Wo sind die Folgen des Klimawandels für die Gemeinde konkret spürbar und welcher konkrete Handlungsbedarf entsteht jetzt und in Zukunft? Basierend auf diesem Fragenkatalog entsteht dann das Programm der Ramsauer Gespräche: Dazu werden wieder Expert_innen eingeladen, die zu den von den Bürger_innen identifizierten Themen neue Perspektiven in die gemeindliche Diskussion einbringen.

Informationen zum genauen Ablauf werden im September kommuniziert. Verantwortlich für die Programmgestaltung und fachliche Leitung der Ramsauer Gespräche ist wie schon im vergangenen Jahr das berg_kulturbüro.

Stand: Mai 2019

 

 

Frühere Veranstaltungen

1. Ramsauer Gespräche

Am 18. und 19. Oktober fanden die „1. Ramsauer Gespräche“ statt. Diese neue Veranstaltungsreihe ist Teil des Projekts „Modell Bergsteigerdorf“, einer von der Gemeinde und den Bürger_innen getragenen Ideenwerkstatt zur Erarbeitung nachhaltiger Zukunftsperspektiven für die Ramsau. Ziel der Ramsauer Gespräche ist es, die jeweils laufenden Werkstattprojekte mit auswärtigen Gästen und Experten in einem größeren Zusammenhang zu diskutieren, Impulse für die Weiterentwicklung und Umsetzung der jeweiligen Ideen zu bekommen sowie einen Beitrag zur Debatte um eine nachhaltige Entwicklung im Alpenraum zu leisten.
Heuer stand das Thema „Regionale Produkte“ im Vordergrund der Veranstaltung, die vom berg_kulturbüro konzipiert und in Kooperation mit der Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege, Slowfood und popstahl-Küchen durchgeführt wurde. Im Frühjahr gründete sich im Rahmen der Ideenwerkstatt der Arbeitskreis „Regionale Produkte“ der nach und nach Ramsauer Produzenten einbezog und schließlich eine Palette von über zwanzig 20 Ramsauer Produkten zusammenstellte, die zukünftig unter einer gemeinsamen Marke angeboten werden sollen. Dazu zählen u.a. verschiedene, teilweise neu kreierte Wurstwaren und Speck vom Alpinen Steinschaf, Schwarzen Alpenschwein, Almochsen, Ziegen und Kaninchen, verschiedene Käse, Marmeladen, Brot, Sirup, wie auch Lamm- und Kaninchenfelle. Für die Zukunft ist geplant, die Produktpalette zu erweitern und an mehreren Verkaufsstellen in der Gemeinde anzubieten.
Zum Beginn der Ramsauer Gespräche wurden die Produkte vorgestellt und mit sehr positiver Resonanz durch die ca. 35 Teilnehmer_innen verkostet. Weiter ging es dann mit zwei Vorträgen im Gemeindesaal: Roman Schmidt, der die Entwicklung der sehr erfolgreichen Regionalmarke „Steirisches Vulkanland“ wesentlich geprägt hat, rief dazu auf, die Gestaltung der Zukunft selbst in die Hand zu nehmen und im lokalen bzw. regionalen damit anzufangen. Sein sehr eindrücklicher Beitrag gab dann auch Anlass für eine lebhafte Diskussion zur Frage, wie dieser Mut zur Eigeninitiative in der hiesigen Region in eine konkrete Vision übersetzt werden kann. Michael Kerschbaumer, einer der Initiatoren des Genossenschaftsprojekt „Kaslab'n“ in den Salzburger Nockbergen, berichtete von den Chancen und Tücken kleiner Produktionsgenossenschaften. Am Abend wurde im Berghotel Rehlegg mit einem „Büffet der regionalen Möglichkeiten“ bei einem Kamingesprächs über die Bedeutung regionaler Produkte für eine zukünftige alpine Kulinarik gesprochen. Dazu diskutierte der Initiator des Projekts „Neue Alpine Küche“ Klaus Buttenhauser mit der Leiterin des Slowfood-Convivium Chiemgau-Rosenheimer Land Helga Geistanger und Gastgeber Hannes Lichtmannegger. Am zweiten Tag berichteten Andrea Oberguggenberger und Klaus Lexer vom Peintnerhof im Lesachtal von ihrem Modell „Auszeithof“, das zudem Teil des kürzlich neu entstandenen Programms „Slowfood Travel“ ist. Dabei wurde auch sehr anschaulich erläutert, welche gesundheitliche Bedeutung eine auf alte Sorten und Rassen zurückgreifende Produktionsweise hat.
Alles in allem waren die 1. Ramsauer Gespräche ein produktives Forum, in dem miteinander gedacht, sich ausgetauscht und an der gemeinsamen Sache einer nachhaltigen Gemeindeentwicklung im Alpenraum gearbeitet werden konnte.
Die 2. Ramsauer Gespräche sind für den Herbst 2019 geplant



Stand: 25. Oktober 2018

 

 

Bürgerforum Nr. 2

Im Rahmen des 2. Arbeitstreffens m 21. Februar ging es darum, erste Schritt in Richtung der Bildung von Arbeitskreisen zu machen. Dazu wurden jene Themenfelder, die bei der Auftaktsitzung im Januar gesammelt wurden, strukturiert und Fragestellungen zugeordnet, die nun im Rahmen der Arbeitskreise vertieft werden können. Ziel wäre es jeweils, einzelne konkrete Projektideen zu formulieren und dabei durch Gäste oder Exkursionen entsprechende Impulse zu erhalten. Folgende Arbeitskreise wurden nun definiert:

Geplante Arbeitskreise

Arbeitskreis Regionale Produkte

Wie kann die Nachfrage nach regionalen Produkten geklärt werden?

Wie und wo können Begegnungen zwischen Produzenten und Abnehmern stattfinden?
Beispiel: „Initiative Wirt sucht Bauer

 Welche neuen Vertriebswege bräuchte es?
- Idee: mobiler Biosphärenmarkt

 Aufbau von lokalen Produktions- und Verkaufsinfrastrukturen; konkrete Ideen, die zu entwickeln und zu prüfen wären:
- Käserei mit Schaubetrieb
- Verkauf regionaler Produkte mit Gastbetrieb für Verkostung etc.
- Regionale Produktions- und Vertriebsgenossenschaft für heimische Produkte

 Aufbau einer Regionalmarke
Beispiel: Steirisches Vulkanland

Arbeitskreis Infrastruktur / Dorfbildkonzept

Wie soll es bei uns ausschauen? Dorfbildkonzept für das ganze Dorf (Kern- und Außenbereiche)

 Leitlinien für ortstypisches Bauen

 Ideen für konkrete Dorfentwicklungsprojekte:
- Hochschwarzeck (Gebiet ganzheitlich denken)
- Wimbachbrücke

Wohnqualität – wofür steht diese, was steht ihr in der Ramsau entgegen?

Das Konzept der „geschlossenen Ortschaft“: wo beginnt/endet der Ort, wie wird raumplanerische Zugehörigkeit sichtbar gemacht?

 

Arbeitskreis Demographie

Motive und Anreize für Weg-/Zuzug von Familien

Arbeitsplätze (lokale und regionale), neue Arbeitsformen und Wirtschaftszweige (Digitalisierung)

Wohnraum für dauerhaft ansässiges Wohnen

Auseinandersetzung mit der lokalen Identität („wer sind wir“)

(Sozio-)kulturelle Diversität: Einheimische Bevölkerung, zugezogene Mitbürger, Zweitwohnungsbesitzer, Gäste

 

Arbeitskreis Mobilität

 Sicherstellung der Erreichbarkeit aller Gemeindeteile

Definieren unterschiedlicher Interessensgruppen (Ansässige Bevölkerung, Übernachtungsgäste, Tagesgäste, Durchreisende ...)

Vor- und Nachteile des Rufbussystems für die ansässige Bevölkerung

Potentiale von E-Mobilitätsangeboten für Einheimische und Gäste
- Beispiel SAMO Werfenweng

Neue Konzepte für Steuerung des Durchfahrtsverkehrs

Neue Konzepte für Steuerung des Ausflugsverkehrs

Aufbau einer Ladesinfrastruktur für E-Mobilität

Lenkungsmaßnahmen (u.a. Markierungen von Parkflächen an der Wimbachbrücke)

 

Querschnittsthema Energie

Neben den Arbeitskreisen wurde noch das Querschnittsthema Energie genannt, das in allen Arbeitskreisen eine Rolle spielt, Stichworte waren hier „Stromversorgung in Bürgerhand“ und „regenerative Gemeinde“.

Die Arbeitskreise haben nun die Aufgabe, für ihre Themenfelder konkrete Projektideen zu entwickeln und zu entscheiden, welche dieser Ideen in Richtung eines „Prototypen“ weitergetrieben werden und auf konkrete Umsetzungsperspektiven hin geprüft werden soll. Jens Badura wird entsprechende Auftakttreffen organisieren und moderieren. 

 

Bürgerforum Nr. 1

Der Prozess zur Aufbau der Ideenwerkstatt startete am 10. Januar 2018 im Vortragssaal der Gemeinde. Die Veranstaltung wurde von Bürgermeister Herbert Gschoßmann eingeleitet, der ausgehend von der aktuellen Situation der Gemeinde die Herausforderungen für eine „enkelverträgliche” Entwicklung der Ramsau skizzierte. Dabei wurden insbesondere folgende Themen angesprochen:

- Demographie:  Die Zahlen sind eindeutig - es ist ein Rückgang der Gemeindebevölkerung festzustellen bei zugleich steigendem Durchschnittsalter. Dieser Entwicklung gilt es entgegenzusteuern und das Leben in der Ramsau für nachwachsende Generationen so attraktiv bzw. „enkelverträglich“ zu machen, dass sie in der Ramsau bleiben bzw. nach der Ausbildung dorthin zurückzukommen wollen. Faktoren dafür sind u.a. die Verfügbarkeit von leistbarem Wohnraum und ausbildungsgemäßen Arbeitsplätzen in unterschiedlichen Berufsfeldern - hier sind Ideen gefragt, wie das künftig in zunehmendem Maße erreicht werden kann.

- Mobilität: der zunehmende Individualverkehr im Talkessel einerseits (Stichwort Parkproblematik und Staus mit allem, was das für die Attraktivität der Region bedeutet), die Problematik der öffentlichen Verkehrsversorgung für die Bewohner (insbesondere der Schüler und der älteren Mitbürger) schafft eine komplizierte Gemengelage, die ebenfalls neue Ideen verlangt.

- Kulturlandschaft: die alpine Kulturlandschaft, wie sie die Ramsau prägt, ist nicht nur ein wesentlicher Bestandteil dessen, was das hiesige Heimatbild ausmacht, es ist auch ein Grund dafür, warum Gäste die Ramsau schätzen und besuchen. Diese Landschaft ist aber keine Selbstverständlichkeit - sie bedarf der Erhaltung durch landwirtschaftliche Nutzung. Und diese Nutzung wird auf Dauer nur dann funktionieren, wenn es sich für diejenigen, die die Bewirtschaftung sicherstellen, auch lohnt - finanziell wie hinsichtlich der Anerkennung für die geleistete Arbeit. Wie kann das gewährleistet werden? Wie können z.B. lokale Produktion und Vermarktung so zusammengeführt werden, dass auch lokale ökonomisch tragfähige Konzepte des Kulturlandschaftsschutzes möglich und als Arbeitsfeld interessant werden? Und wie kann das als Bestandteil der gemeinsamen Sorge um den Erhalt der heimatlichen Landschaft verstanden werden?

- Freizeit und Tourismus: auch hier ist nicht davon auszugehen, dass die Verhältnisse bleiben wie sie sind - neben den vielfach diskutierten konkreten Folgen des Klimawandels für den Wintertourismus, die Zunahme von Extremwetterereignissen mit konkreten Folgen für die lokalen Infrastrukturen usw. fragt sich auch, wie das mit dem „Modell Bergsteigerdorf“ verbundene Konzept des sanften Tourismus dauerhaft zu einem ökonomisch tragfähigen und für die Ramsau zukunftsfähig umgesetzt werden kann: welches Leitbild braucht es, um hier die richtigen Schritte zu setzen? Welche touristischen Infrastrukturen sind zu schaffen, welche nicht? Wie lässt sich das, was die Ramsau zu bieten hat auch in einer realistischen Preiskultur abbilden?

Im zweiten Teil der Veranstaltung fand dann eine erste Ideensammlung statt, die als Basis für den Prozess der Arbeitsgruppenbildung dienen soll. Diskutiert wurden u.a. Ideen zu den Themenfeldern

- „Mobilität“ (Stichwort Verkehrskonzept Ramsau)

- „Freizeit und Tourismus“ (Stichwort Leitbildentwicklung, „Vermieter-Akademie“ etc.)

- „Regionale Produktion und Vermarktung“ (Stichwort Genossenschaftsmodell, neue Vertriebsmodelle zwischen Produzenten und Konsumenten sowie lokalen Betrieben) 

- „Infrastrukturen“ (Stichwort Angebote für innovatives ganzjähriges, schneeunabhängiges Nutzungskonzept für das Hochschwarzeck-Gebiet)

Im nächsten Schritt werden nun Arbeitsgruppen zu ausgewählten Themenbereichen gebildet, in denen die Ramsauer Bürgerinnen und Bürger zu ihren Zukunftsthemen entsprechende Ideen und Pilotprojekte entwickeln und dazu nach Bedarf auch Experten beiziehen oder sich im Rahmen von Exkursionen Impulse verschaffen können. Die so entstehenden Pilotprojekte können dann mit einer Anschubfinanzierung unterstützt werden. Neben den regionalen Partnern des Projekts (Nationalpark und Biosphärenregion) sind auch Kooperationen mit Hochschulen (u.a. Weihenstephan Triesdorf) und Organisationen der alpinen Raumentwicklung (CIPRA etc.) vereinbart, zudem soll je nach Thema bzw. wo sinnvoll (z.B. Verkehr, Freizeit & Tourismus, Regionale Vermarktung) auch die Zusammenarbeit mit den anderen Talkesselgemeinden gesucht werden.